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Die meisten Vertrauensbrüche entstehen nicht durch Lügen oder Verrat. Sie entstehen durch Erwartungen die nie ausgesprochen wurden, aber trotzdem vorausgesetzt wurden.

Zwei Menschen arbeiten zusammen. Beide sind überzeugt dass sie dasselbe meinen. Beide liegen falsch.

Das passiert nicht weil jemand unehrlich ist. Es passiert weil Erwartungen oft so selbstverständlich wirken, dass man vergisst sie auszusprechen. Wer "ich verlasse mich auf dich" sagt, meint damit manchmal ein Ergebnis, manchmal Anwesenheit, manchmal einen Prozess. Wer es hört, versteht etwas davon. Ob es dasselbe ist, zeigt sich erst wenn es zu spät ist.

Vertrauen braucht keine perfekten Menschen. Es braucht klare Worte.

Das klingt einfacher als es ist. Denn Erwartungen auszusprechen bedeutet auch sie sichtbar zu machen, und damit angreifbar. Wer sagt "ich erwarte dass du mich informierst bevor du eine Entscheidung triffst", macht eine Forderung. Wer schweigt und hofft dass das von selbst verstanden wird, vermeidet die Reibung, aber baut auf Sand.

In Unternehmen zeigt sich das besonders deutlich in drei Bereichen:

In der Zusammenarbeit zwischen Führungskraft und Team, wo häufig angenommen wird dass Rollen, Verantwortlichkeiten und Entscheidungsspielräume klar sind, ohne dass sie je explizit besprochen wurden.

In Veränderungsprozessen, wo Mitarbeitende erwarten informiert zu werden, Führungskräfte aber davon ausgehen dass Schweigen als Zustimmung gilt.

Und in der Einarbeitung neuer Mitarbeitende, wo Erwartungen an Tempo, Qualität und Eigeninitiative im Kopf der Führungskraft existieren, aber nie auf den Tisch kommen, bis jemand enttäuscht ist.

Was in allen drei Fällen hilft ist kein Persönlichkeitstraining und kein Kommunikationsseminar. Es ist eine einfache Gewohnheit: Erwartungen benennen bevor sie gebrochen werden können.

Das bedeutet nicht jedes Detail zu regeln. Es bedeutet die Dinge auszusprechen die man für selbstverständlich hält, genau weil man sie für selbstverständlich hält.

Was du selbstverständlich findest, ist es für andere oft nicht.

Laura — Assistentin von sharon-ayslin.com